St. Gallen (Transkription Nr. 406)

Schulort St. Gallen
Konfession des Orts: Gemischt konfessionell
Signatur der Quelle: BAR B0 1000/1483, Nr. 1458, fol. 231-231v
Standort: Bundesarchiv Bern
Kanton 1799: Säntis
Distrikt 1799: St. Gallen
Agentschaft 1799: St. Gallen
Kirchgemeinde 1799: St. Gallen
Ort/Herrschaft 1750: St. Gallen
Kanton 2015: St. Gallen
Gemeinde 2015: St. Gallen
In dieser Quelle werden folgende 2 Schulen erwähnt:
  • St. Gallen, 7. Klasse (Vermengte Schule/niedere Schule, reformiert)
  • St. Gallen, 7. Klasse (Vermengte Schule/niedere Schule, Rechenschule, reformiert) (Eindeutige Textstellen markieren)

Beantwortung der vom B. Minister der Wissenschaften vorgelegten Fragen, von Lehrer der VIIten Classe am Gymnasio, im St Cathrina Closter — u. dem IVten Diacon der Stadt u. Gemeine St Gallen.

I. Lokal-Verhältnisse.
I.1Name des Ortes, wo die Schule ist.
I.1.aIst es ein Stadt, Flecken, Dorf, Weiler, Hof?

Stadt St. Gallen.

I.1.bIst es eine eigene Gemeinde? Oder zu welcher Gemeinde gehört er?

Gemeine St. Gallen.

I.1.cZu welcher Kirchgemeinde (Agentschaft)?
I.1.dIn welchem Distrikt?

Distrikt St. Gallen.

I.1.eIn welchen Kanton gehörig?

Canton Säntis.

I.2Entfernung der zum Schulbezirk gehörigen Häuser. In Viertelstunden.
I.3Namen der zum Schulbezirk gehörigen Dörfer, Weiler, Höfe.
I.3.aZu jedem wird die Entfernung vom Schulorte, und
I.3.bdie Zahl der Schulkinder, die daher kommen, gesetzt.

Classe Die 7te von unten herauf, oder Die 3te Realschule, die 1797 neu errichtet wurde.
zahl der Schüler Jst gewöhnlich 30-36.
Alter Von 10-12. Jahren.
Alle wohnen innert den Gränzen der Gemeine St Gallen. höchstens 1 1/2 Viertelstunde entfernt.

I.4Entfernung der benachbarten Schulen auf eine Stunde im Umkreise.
I.4.aIhre Namen.
I.4.bDie Entfernung eines jeden.
II.10Sind die Kinder in Klassen geteilt?

Einthlg in Classen Jch theile meine Schüler in 2. Classen.
Die schwächere wiederholt das vorh. gelernte u. übt sich besonders im Richtigschreiben.
Der bessere Theil wendet mehr zeit auf die wissenschaftlichen Anfänge.

II. Unterricht.
II.5Was wird in der Schule gelehrt?

Was? a. Fortsetzung des in vorig Schulen angefangenen Uebungen im Schön- u. Rechtschreiben Geographie u. vaterländische Geschichte.
b. Eignes Anfänge in der Naturlehre Naturgeschichte des Menschen Anfänge der Seelenlehre u. Logik c. Religion

II.6Werden die Schulen nur im Winter gehalten? Wie lange?

Schulzeit Sommer u. Winter täglich 5. Stunden.
Am donnstag 3. St. — Nachmittg ist Kinderlehr
Samstag ist frey.

II.7Schulbücher, welche sind eingeführt?

Schulbücher. zu a. die in den vorigen Classen gewohnlichen Bücher
zu b. Mache ich eigne Auszüge, die ich vorlese oder diktiere — aus Eberts Naturlehre — Schmerlers (J. A.) Vorlesungen — Cosmologischen Unterhaltungen u. Funks Lehrbuch.

II.8Vorschriften, wie wird es mit diesen gehalten?

Vorschriften Theils geschriebene, theils gestochene — Baslerschrft

II.9Wie lange dauert täglich die Schule?

Schulzeit Sommer u. Winter täglich 5. Stunden.
Am donnstag 3. St. — Nachmittg ist Kinderlehr
Samstag ist frey.

III. Personal-Verhältnisse.
III.11Schullehrer.
III.11.aWer hat bisher den Schulmeister bestellt? Auf welche Weise?

Collator. (ehmals) Der Schulrath.

III.11.bWie heißt er?

Name Joh. Conrad Rothmund.

III.11.cWo ist er her?

Geburts Ort St Gallen.

III.11.dWie alt?

Alter etc. 40 Jahr, 2. M. — Meistens gesund

III.11.eHat er Familie? Wie viele Kinder?

Familie. Hat noch 7 Kinder am Leben
5. Knaben, wovon der älteste bald 14 Jahre hat
u. 2. Töchteren

III.11.fWie lang ist er Schullehrer?

Wie lange an der Stelle? — Bald 2. Jahre.

III.11.gWo ist er vorher gewesen? Was hatte er vorher für einen Beruf?

Studien Wie lang? Wo? a in St Gallen 7 Jahre lang unter den Prof. Wegelin u. Schobinger.
b. in Zürich — noch 2. Jahre lang.
Neben einigen Kleinigkeiten hat {er}, da er noch im Land war, als Leitfaden zum Unterricht besonders der Neo-communicanten drucken lassen. Unterricht in der Xstlichen Glaubens- u. Sittenlehre nach Jakobi, Bertrand u. Zollikofer St Gallen 1794.
#wes## nun in verschiedenen Landgemeinden gebraucht {wird} Jst auch Mitglied der Asketisch Gesellsch. in Zürich.
Wo vorher? 1780-83. Vicar zu Elsau, Cant: Zür: distr. Elgg.
84-88. Lehrer an der Provisor. Schule in Arbon
88 apr-xbr. Lehrer der Vten Classe in St Gallen
Hier empfieng er von der Gemeinde Stein distr. Teuffen, Cant. Säntis. einen Ruf zum Pfarrer
89-95. blieb er am Stein
95. wurde er vom Schulrath wieder nach St Gallen zum Lehrer der IV.ten Classe berufen, die er bis auf Oster 97. versehen.

III.11.hHat er jetzt noch neben dem Lehramte andere Verrichtungen? Welche?

Neben-Beruf oder Verrichtungen Prediger-Beschäftigungen, die er am liebsten verrichtet — u. dahin dienende Lecture, so viel oder wenig ihm die Zeit erlaubt, die von Pflicht geschäften u. der Besorgung seiner Familie übrig bleibet.

III.12Schulkinder. Wie viele Kinder besuchen überhaupt die Schule?
III.12.aIm Winter. (Knaben/Mädchen)
III.12.bIm Sommer. (Knaben/Mädchen)
IV. Ökonomische Verhältnisse.
IV.13Schulfonds (Schulstiftung)
IV.13.aIst dergleichen vorhanden?
IV.13.bWie stark ist er?
IV.13.cWoher fließen seine Einkünfte?
IV.13.dIst er etwa mit dem Kirchen- oder Armengut vereinigt?
IV.14Schulgeld. Ist eines eingeführt? Welches?
IV.15Schulhaus.
IV.15.aDessen Zustand, neu oder baufällig?
IV.15.bOder ist nur eine Schulstube da? In welchem Gebäude?
IV.15.cOder erhält der Lehrer, in Ermangelung einer Schulstube Hauszins? Wie viel?
IV.15.dWer muß für die Schulwohnung sorgen, und selbige im baulichen Stande erhalten?
IV.16Einkommen des Schullehrers.
IV.16.AAn Geld, Getreide, Wein, Holz etc.

Einkommen
an Geld alle 4. Wochen fl. 15; 33 xr.
alle 3. Monat fl. 25
auf Martini Holzgeld fl. 12
Predigtgeld aus in Linsebühl fl. 22
für jede Sonntag Abdpred. in St Magni fl. 1; 6 xr.
Getreide 15. Vtl. Mehl; St Galler, also klein Mß
6. Vtl. Habergrüze.
Wein 8. Eimer rothen — u. 2. Eimer weissen
6 Eimer — Thurgäuer.
Holz 3. Staffel, die nach abzug der Unkosten bey der Zufuhr u. Aufmachen 6 Klafter 20. lange Scheiter geben.
Wohnung. Genugsam u. gut, mit Studier- u. Schulstube

IV.16.BAus welchen Quellen? aus

Quellen Die Schulkasse.
Kirchengut, Schaffneramt u. andere Gemeindämter.
Unterhalt der Wohnung u. Schulstube. Das Gemeind-Bauamt liefert die Materialien u. die Schulkasse bezahlt die Kosten.

IV.16.B.aabgeschaffenen Lehngefällen (Zehnten, Grundzinsen etc.)?
IV.16.B.bSchulgeldern?
IV.16.B.cStiftungen?

Quellen Die Schulkasse.
Kirchengut, Schaffneramt u. andere Gemeindämter.
Unterhalt der Wohnung u. Schulstube. Das Gemeind-Bauamt liefert die Materialien u. die Schulkasse bezahlt die Kosten.

IV.16.B.dGemeindekassen?
IV.16.B.eKirchengütern?
IV.16.B.fZusammengelegten Geldern der Hausväter?
IV.16.B.gLiegenden Gründen?
IV.16.B.hFonds? Welchen? (Kapitalien)
Bemerkungen
Schlussbemerkungen des Schreibers

Versieht diese Diaconat-Stelle seit der Abreise des vorigen Diacons im Jul. 1798.
Nach seiner Resignation ist sie ihm im Jenner dieses Jahrs von der Verwaltungskammer des Cantons Vicariats weise auf eine unbestimmte zeit übergeben worden.

Fliesstextantworten
Lokal

¢3651¢¢ Rechenschule
a b c d. wie oben.
Classe. die 1ste oder unterste.
Schüler 45-50. Schüler
von 8, 9, bis 10 Jahren ¢/3651¢¢
Mit der Schule verbunden
a. b. c. d. wie oben.
Kirche, wo? Linsebühl, u. in beyden Stadtkirchen.
Noch besonders
a .b. c. d. wie oben.
IVter Diacon Kirche, wo? St Leonhard, u. in beyden Stadtkirchen. Als 4ter Stadthelfer.

Oekonomie

¢3651¢¢ [Rechenschule]
Einkommen
Geld. Jährlich 57 fl. aus der Schulkasse. ¢/3651¢¢
[Mit der Schule verbunden]
Hirvon ist die Besoldung im obigen Schulgehalt begriffen, weil seit Einrichtung der Schulen beydes immer mit einander verbunden war.
[Noch besonders]
Einkommen
an Geld Besoldung fl. 150. Ldr à fl. 10.
Hauszins fl. 40.
Holzgeld fl 14.
Getreide 36. Vtl. Korn St Galler Mß
Wein 8 Eimer Rothen u. 8 Eimer Weissen
Wohnung — anstatt derselben obigen Zins.
Torf. 2. Klafter — oder Fuder.
Quellen Das Geld aus dem Gemeind-Sekelamt.
Wein a u. Korn etc. aus andern Gemeind-Ämtern.
Das Einkommen davon ist jährlich fl. 13; 45. aus dem Sekelamt.

Unterricht

¢3651¢¢ [Rechenschule]
Was? Die 4. Species in ungenannten Zahlen.
Die Division mit 2 oder 3. ziffern.
Die Addition u. Subtraction in genannten Zahlen
Schulzeit Täglich 2. Stunden, ausgen. am Sonnabend
Eintheilung. Jn jeder Stunde ist eine eigne Classe, Die wieder ihre Unterabtheilungen hat. ¢/3651¢¢
[Mit der Schule verbunden]
Verrichtungen
a. Predigten Mit den übrigen 8 Lehrern.
Die Sonntag Morgenpredigt im Linsebühl u. die Leichpr. dieser Woche.
Die Dienstag Abendpr. im Winter zu St Lorenzen.
Die Sonntag Abendpred. in St Magni.
Alle 14. Tage Kinderlehre im Spital, f. die fremden Dienstknaben u. Mägdchen.
b. Kinderunterricht. Alle 9. Wochen die Sonntag Kinderlehre in St Cathrina
Wochentlich eine Quartierlehre
c. Krankenhäuser. 2. — Die allemal nach der Morgenpredigt im Linsebühl besucht werden
[Noch besonders]
Predigten. Jn St Leonhard alle 14. Tage Die Sonntag Morgenpredigt — wozu die in dieser Woche vorfallenden Leichpredigten gehören.
Jn der Stadt — jährlich Circa 18. Helferpredigten
Jn St Lorenzen hält er alle 4: Wochen die Sontag Abendlehre, oder Paraphrase über das N. Testament — u. die wichtigsten Geschichten des A. Test

Unterschrift

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